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Unternehmen vom 24.09.2012

WAZ will Ebitda von 150 Millionen Euro erreichen

Wenn Deutschlands Zeitungsverleger heute zu ihrem Jahrestreffen im Berliner Maritim-Hotel zusammenkommen, werden die honorigen Eigentümer und hochbezahlten Manager zumindest bei Kaffee und Kuchen mit Schlagsahne auch darüber sprechen, wie ein Verlag ordentlich geführt werden sollte. Als Negativbeispiel wird dabei die Essener WAZ-Mediengruppe dienen.

Essen - Es war am Rande einer zwar launigen, aber bis dahin durchaus positiv bewerteten Betriebsversammlung der Redaktion der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" am Montag vergangener Woche, Geschäftsführer Manfred Braun hatte die Lokaloffensive gelobt, sich bei den Redakteuren für ihr Engagement bedankt, alle waren sich einig, dass die Investition in die Vor-Ort-Ausgaben helfen würden, die WAZ wieder als die Heimatzeitung des Ruhrgebiets zu positionieren. Dann kam Christian Nienhaus.

Der ehemalige Bild-Manager, der zwar aus Hohenlimburg stammt, jedoch viele Jahre Medienhäuser außerhalb Nordrhein-Westfalens, darunter auch für kurze Zeit die "Süddeutsche Zeitung", führte, meldete sich, sagte, dass zwar nicht entschieden sei, wo gespart werde, aber doch, dass die Mediengruppe in ganz Deutschland durch die Bank - also auch bei den hochprofitablen Zeitschriften oder Anzeigenzeitungen - 20 Prozent einsparen muss.

Hintergrund sind die sinkenden Erlöse bei den Tageszeitungen und die Vermutung, ja das Wissen, dass bestimmte Anzeigen nicht mehr zurück in die Tageszeitung kommen.

Entscheidend ist in diesem Fall jedoch auch, was vorab nur einer kleinen Schar von Führungskräften mitgeteilt wurde. Die Eigentümer und die Banken setzen die Geschäftsführung mächtig unter Druck, bis 2014 wird ein Ebitda von 150 Millionen Euro erwartet, der Gewinn soll wieder sprudeln. Das erfuhr NEWSROOM aus Unternehmenskreisen. Aktuell liegt die Ebitda-Rendite bei der WAZ Mediengruppe bei zehn Prozent - diese Zahl hängt aber wiederum davon ab, wie gerechnet wird.

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Die WAZ Mediengruppe gehört den Erben von WAZ-Gründer Jakob Funke. Vor allem Mehrheitseigentümerin Petra Grotkamp muss agieren, um weiterhin überhaupt selber gestalten zu können. Denn bei ihren Hausbanken - Bayerische Landesbank, Deutsche Bank und Unicredit - steht sie mit 170 Millionen Euro in der Kreide. Bis Ende 2012 muss sie daher dafür sorgen, dass die WAZ-Anteile fungibel, also verkäuflich sind und damit als Sicherheit für ihren Kredit dienen können. Aber vor allem Mit-Eigentümer Stefan Holthoff-Pförtner, der als Intimus von Alt-Kanzler Helmut Kohl gilt, will nur zustimmen, wenn das Gesamtpaket stimmt.

Derweil wird genau überlegt, wie 20 Prozent der Kosten eingespart werden können. Fest steht, dass es diesmal erneut nichts nützt, bei Kugelschreibern und Blöcken zu sparen. Das hat schon vor gut drei Jahren nicht ausgereicht, als 300 Stellen in den NRW-Tageszeitungsredaktionen abgebaut wurden und 30 Millionen Euro eingespart werden konnten.

Zu den ersten Überlegungen gehört, die Zeitschriften des Hauses, deren Redaktionen vor einigen Jahren erst nach München umziehen mussten, im neuen Stammhaus am Berliner Platz im Essener Uni-Viertel zu konzentrieren. Das kommt aber frühestens 2015. Auch soll noch stärker zum Beispiel im Vertrieb mit anderen Medienhäusern und auch intern nach Synergien gesucht werden. Warum sollten sich in Zukunft beispielsweise Anzeigenblätter und Tageszeitungen in NRW weiterhin einen jeweils eigenständigen Vertrieb leisten? "Wenn wir es schaffen, 20 Prozent der Kosten einzusparen, ohne Leute zu entlassen oder Titel einzustellen, wäre es für mich ein Wunder", sagt ein Unternehmensinsider zu NEWSROOM. Auch der Verkauf von Tochterunternehmen zählt zu den Optionen.

Derweil hofft DJV-Geschäftsführerin Anja Zimmer, dass "die Geschäftsführung der WAZ sich endlich auf ihre Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Lesern besinnt. Sie muss der viel beschworenen Lokalinitiative, auf die sich alle gemeinsam verständigt haben, jetzt eine Chance geben. Leser und Anzeigenkunden dürfen nicht durch weitere Einschnitte vergrault werden", warnt die streitbare Juristin.

Bülend Ürük

Bei der WAZ Mediengruppe passiert unheimlich viel. Sie haben Informationen, Tipps, Themen? Ihre Einschätzungen - natürlich auch vertraulich - bitte per Mail direkt an chefredaktion@newsroom.de.

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